KlosterWald - Klosterwald im Tourismus: Ein Trend?
Shownotes
Die Naturforscherin und Äbtissin Hildegard von Bingen nennt im Mittelalter jene göttliche Kraft, die in der Natur zu finden sei, Viriditas (Grünkraft). Doch meint sie damit nicht nur die Kraft, die der Natur selbst zur ständigen Erneuerung dient, sondern auch jene, die durch die bewusste Wahrnehmung der Natur, der Schöpfung, entsteht. Kann also ein Waldspaziergang ein spirituelles Erlebnis sein? Wird ein Klosterwald so auch zu einem touristischen Angebot? Und wieviel Tourismus verträgt ein Wald, um ungestörtViriditas (Grünkraft) zu entfalten?
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00:00:01: Heil dir, o grünster Zweig, entsprungen im Wehen der Lüfte, der Gebete der Heiligen.
00:00:18: Hildegard von Bingen beschreibt nicht nur das Wachstum der Natur, sondern auch bewusst wahrgenommene
00:00:24: Natur als göttliche
00:00:25: Lebenskraft.
00:00:27: Für diese
00:00:27: Tausend
00:00:28: Achtundneunzig
00:00:28: zur Welt gekommenen Naturforscherin, Dichterin, Komponistin und Ebtissen
00:00:33: ist
00:00:34: Gott
00:00:34: Caritas
00:00:36: Liebe Sapientia
00:00:38: Weisheit,
00:00:39: Viriditas,
00:00:40: Grünkraft.
00:00:45: Tatsächlich sind die stärksten touristischen Zugpferde tatsächlich die großen Klöster.
00:00:53: Melanie Krillicke ist Expertin für touristische Programme mit dem Schwerpunkt Klosterkultur und spiritueller Tourismus, Klosterwanderwege und Pilgerwege.
00:01:03: Das Zusammenspiel von Zeichen religiösen Lebens und Natur werde mehr und mehr in der Tourismusbranche reflektiert und initiiert.
00:01:13: Ich glaube, es hat auch noch ein bisschen Luft nach oben, dass man diese wunderbare Verbindung zwischen Landschaft und Klöster weiter nach vorne stellt.
00:01:20: Das ist eigentlich eine oreigene Aufgabe unserer Abteilung.
00:01:23: Harzer Klöster im Tourismusverband.
00:01:25: Das ist gerade auch das, was uns ja auch ausmacht und warum wir uns zusammengeschlossen haben.
00:01:30: Weil der Klöster-Wanderweg für dieses Landschaftserlebnis steht und die Harzer Klöster und der Harzer Kloster Sommer für die Orte an sich, aber diese Verbindung immer wieder zu
00:01:41: schaffen und das
00:01:43: Gästen zu vermitteln, daran arbeiten wir.
00:01:47: Es ist aber auch ganz klar, dass Menschen immer nach ganz bestimmten Zielen suchen.
00:02:05: diese Architektur auf sich wirken lässt und dann rausgeht, dann ist man ja zuvor in diesen Räumen einfach stiller geworden.
00:02:13: Also stille ist ja eine ganz besondere Bedingung auch und überhaupt so eine Resonanz auf sich wirken zu lassen.
00:02:27: Mit welchen Fragen gehe ich jetzt vielleicht in den Weg hinein?
00:02:30: oder vielleicht stellt man sich auch gar keine Fragen,
00:02:33: man horcht
00:02:33: einfach, man kommt ins Hören und geht dann raus in eine Landschaft.
00:02:38: und steht
00:02:39: meinetwegen auf einer
00:02:40: Anhöhe und kann auf dieses Kloster zurückblicken, in dem man gerade war.
00:02:45: Oder geht durch ein besonderes Waldstück, dann hört man oder empfindet man ja viel, viel mehr oder viel feinsinniger, was da draußen eigentlich los ist und
00:02:52: was die Welt
00:02:53: einem zu sagen
00:02:54: hat, als wenn man jetzt ohne vielleicht diese besondere
00:02:58: Klostererfahrung loszieht.
00:03:01: Da sind Kloster-Wälder geradezu prädestiniert in heutiger Zeit an Bedeutung zu gewinnen.
00:03:06: Für Imke Beck
00:03:08: ist
00:03:08: das Thema Tourismus ein Zwiegespaltenes.
00:03:11: Die Kloster Försterin des elfhundertdreiundsechzig gegründeten Cisterzianser Kloster Slocum, etwa fünfzig Kilometer westlich von Hannover, ist verantwortlich für ein vielgestaltiges Tätigkeitsfeld.
00:03:23: Also es ist nicht nur die Forstwirtschaft.
00:03:25: Ich habe eigentlich nur sechshundertfünfzig Hektar zu bewirtschaften, was ungefähr eine halbe Försterstelle sonst ist.
00:03:30: Ich habe dazu aber eine Mutterkuhherde mit Bullen und Nachzucht jedes Jahr.
00:03:35: Also wir machen noch Grünland-Bewirtschaftung.
00:03:37: Da bin ich für die Außengestaltung des Klostergeländes, also für die gute Aussicht hier direkt auf dem Gelände zuständig und die Friedhilfe habe ich noch.
00:03:47: Das gehört auch noch zu meinem Arbeitsfeld.
00:03:48: Also es ist ganz bunt gemischt und doch viel mehr außer nur der Wald.
00:03:53: Auf der Website des Klosters Lokum ist nachzulesen,
00:03:56: die Forstfläche des Klosters Lokum, ca.
00:03:59: sixhundertfünfzig Hektar, liegt ungefähr zehn Kilometer westlich des Steinhuder Meeres und umfasst sechs Teilgebiete, Forstorte unterschiedlicher Größe.
00:04:10: Weitgehend fällt der Waldbestand unter die Kategorie Historisch alte Waldstandorte.
00:04:17: Abwechslende Waldbilder und ein gut ausgebautes parkartiges Wegesystem machen den Closterforst zu einem Erlebnis für jeden Besucher.
00:04:26: Touristen locken ist nicht mein Arbeitsschwerpunkt.
00:04:29: Eigentlich muss man eher, hier sind wir auch im FFH-Gebiet, also besonders geschützter Bereich, muss man eher schauen, in welche Bahn das geht, weil viele Menschen nicht den kompletten Bereich durchdenken.
00:04:40: Man sieht das ganz schnell von Trampelfaden.
00:04:43: Es kommt ein Trampelfad, der geht mitten durch die Natur, weil da ein schöner Ort ist.
00:04:46: Das Trampelfad wird immer größere Fläche und ... da fehlt die Natur dann an der Stelle.
00:04:51: Also eigentlich muss ich eher gucken, okay, wie kann man das regulieren?
00:04:54: In welche Bahn kann ich das lenken?
00:04:56: Also Tourismuslenkung eigentlich im Wald.
00:04:58: Weg von besonders geschützten Biotopen, weil da soll keiner rumlaufen hin zu dem allgemeinen Blick und natürlich das Verständnis vermitteln.
00:05:06: hier ist Kloster, Wald, Kloster Landschaft, was natürlich auch sehenswert ist.
00:05:10: Also das ist so der Spagat, den ich versuche.
00:05:13: Die Anbetung der Natur unter Schöpfung als Schöpfung Gottes war im zestaziensischen Gedankengut die Grundlage fürs Erbauen von Kapellen und Kirchen und Glöstern um dem je noch größeren Schöpfer ein je noch größeres Denkmal zu errichten, als die Natur es könnte.
00:05:34: Prof.
00:05:34: Christian Chebul, Prorektor der Theologischen Hochschule Chur, initiierte das Forschungsprojekt Religion, Kultur Tourismus.
00:05:43: Und in diesem Themenkreis entstehe auch eine neue Sensibilisierung für die Schöpfung.
00:05:49: Ich erzähle das deswegen, weil mich ein Besuch in Saint-Séverin im Cartier-Lateren Paris auf diese Geschichte mal gebracht hat, wo uns ein Kollege aus der Jesuiten-Fakultät von Saint-Très-Sever damals durch diesen Raum geführt hat und hat gesagt, jetzt zeige ich euch... Das für mich interessanteste Phänomen der gotischen Architektur, nämlich eine Säule, die den Namen Le Palmié trägt, also die zu einer Palme stilisierte Säule, die sich dann oben so auseinander neigt, wie eine Palme es tun würde mit Ästen und Palmen zweigen.
00:06:32: Und sagte dann also die Anbetung der Natur als Schöpfung Gottes, hat die Zisterzienser Architekten dazu gebracht, solche Dinge für die Nachwelt in Stein zu meiseln und ihr eine wenigstens vorübergehende Ewigkeit zu verleihen, weil auch die Generationen danach noch diese Naturspiritualität nachahmen sollten, die die Zisterzienser
00:06:56: hatten.
00:07:11: Wenn man jetzt Die Menschen in die Klöße dafür.
00:07:14: Ich glaube, egal ob man religiös ist oder nicht, hat man dort eine Empfindung oder einen Eindruck von Größe und von ewigen Zeiten.
00:07:24: Das Bewusstsein für zeitliche Dimensionen, vom Werden und Vergehen, umgibt Klosterförsterin Imke Beck alltäglich.
00:07:32: Das ist einfach spannend, die Geschichte zu sehen von jetzt einem Wirtschaftswald und von damals zu einem Sumpf.
00:07:39: Die Holländer, es wurden holländische Siedler geholt, die diesen Sumpf entwässert haben, dann wurde eben viel Weidetierhaltung da drin gehalten und viel Wald natürlich auch abgeholzt, jetzt wieder angepflanzt.
00:07:53: Das hat dann auch wieder mit der Pflanzenkunde was zu tun.
00:07:55: Man sieht immer noch, welche Erstaufforstung sagt man dazu da sind, die eben erst seit wenigen Jahren wieder Wald sind.
00:08:02: Da sieht man und liest man halt diesen strukturellen Wandel, der da ist.
00:08:06: Und diese verschiedenen Nutzungen, die ja gleichzeitig immer noch auf der Fläche zu finden sind.
00:08:11: Wir haben den Wald, wir haben die Weiden und wir haben das Wasser.
00:08:14: Und das ist alles immer noch da und immer noch sichtbar.
00:08:18: Mit diesem Wissen durchläuft man den Lokoma Wald mit einem horizontweitenden Bewusstsein und bekommt durchaus ehrfurcht.
00:08:27: Ja, kann man kriegen.
00:08:35: Ich war auch schon ein Naturkind und finde weit einfach ein sehr großer Erholungsort.
00:08:40: Gerade hier der Klosterwald spiegelt eine ganz große Geschichte wieder.
00:08:44: Yolanda Prange ist im Kloster Lokum als Ansprechpartnerin von Sisterscapes.
00:08:48: Um Sisterscapes immer zu beschreiben, das ist ein transnationales Kulturprojekt und verbindet sitze und Klosterlandschaften aus verschiedenen Ländern.
00:08:57: Darunter Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien und Slowenien.
00:09:00: Mit dem Mittelalter hinterlassen Cistercienserinnen und Cistercienser Spuren in Landschaften.
00:09:09: durch die Gegend neben den Wald war.
00:09:11: Hier habe ich ganz viele Geschichte drin.
00:09:13: Hier stehen Informationen am Wegesrand mit Stehlen, die ich nachlesen kann und sehe überhaupt und lese auch nach, was für eine Geschichte dieser ganze Wald hat.
00:09:22: Und das ist einfach interessant zu gucken.
00:09:24: Wie hat dieser Wald sich entwickelt?
00:09:25: Wie war er früher?
00:09:26: Es gibt halt noch einfach mal so ein Input, den man sonst ja nicht hätte in anderen Wäldern.
00:09:31: Wir haben eine große Bibliothek, die ganz viel Wissen
00:09:34: hat
00:09:34: und das sich erst mal einzuverleiben.
00:09:36: Das ist schon sehr aufwendig gewesen, aber hat viel Spaß gemacht.
00:09:40: Ich find, es berührt einfach mehr, weil es bringt einem Wald näher.
00:09:43: Also den Wald zu wertschätzen, dass es den schon so lange gibt und auch das Bewusstmachen.
00:09:47: Den Wald gibt das schon so lange.
00:09:50: Und ich verstehe mehr, wie er sich entwickelt hat.
00:09:54: Also mit der touristischen Vermarktung da bin ich nicht die Fachfrau, aber ich denke vom Prinzip sind die meisten Klösterwälder halt so alt und sehenswert, dass man da wirklich den Blick schweifen lassen kann, viele alte Baumbestände findet, Relikte eben von den Mönchen begutachten kann, man muss halten.
00:10:12: ein geschultes Auge dafür haben, das zu erkennen.
00:10:14: Ich glaube, wenn man hierher kommt und nur durch den Wald spaziert, denkt man, wie schön.
00:10:19: Aber wenn man sich nicht ein bisschen damit beschäftigt, würde man vielleicht die Zeichen der Zeit an dem Wald gar nicht so finden.
00:10:26: Ich würde es, wenn ich nicht wüsste, es gäbe die tausendjährigen Klöster, die mir zeigen, dass es immer irgendwie weitergeht, dass Brüche und Umbrüche keinen Niedergangs bedeuten müssen, sondern oft einfach auch ein Neuanfang sein können.
00:10:41: Das ist dann für mich dieser Punkt, der dann wichtig ist und was auch zur eigenen Spiritualität führt.
00:10:49: Und selbst wenn man hinterher weiß, dass man einfach ruhiger geworden ist oder der eigene Weg ja ein bisschen klarer geworden ist, ist das auch schon oder kann es auch ein spirituelles.
00:10:59: persönliches
00:11:00: Erlebnis sein.
00:11:01: Das kann manchmal auch nur ein Ton in einer Kirche sein oder eine
00:11:06: Mauer
00:11:07: oder ein Kirchtum oder ein Glockengeläut oder ein Vogel, der unerwartet singt an einer Stelle oder eine Entdeckung, die man macht im ganz Kleinen.
00:11:19: Die kann schon zu etwas führen, wenn das in einem ist und wenn man zu dieser Stille gekommen
00:11:23: ist,
00:11:24: dass sie auch Antworten gibt und man hätte sie gar nicht erwartet.
00:11:26: Die interessante Erfahrung in unserem Forschungsprojekt ist, dass es in Zeiten zunehmender Sekularisierung Kirchenräume gibt, die sich eines steigenden Interesses erfreuen bei Menschen, die diese Räume nicht besuchen, weil sie zu einem Gottesdienst gehen, sondern die sich für Zagralräume als Kraftorte interessieren, die eine Aura ausstrahlen für viele Menschen, die sie irgendwie faszinierend finden und die Anziehungskraft genug haben, dass sie sozusagen als Touristinnen und Touristen dieser Räume aufsuchen.
00:12:41: Welche Ziele bei Menschen für Wochenendausflüge oder Reisen auf der Wunschliste stehen, hat verschiedenartige Gründe und hängt gewiss auch davon ab, wie welches Ziel angepriesen wird.
00:12:52: Die Sinnsuche im Leben scheint zu einem touristischen Anreiz zu werden.
00:12:57: Wichtig
00:12:57: ist halt auch, einfach regelmäßige Veranstaltungen durchzuführen, um den Menschen hier in der Nähe oder auch die zu Besuch
00:13:04: hier sind.
00:13:06: Dazu zu bringen, auch diesen Klosterwald zu besuchen, wenn vielleicht nicht jeder sich denkt, ich möchte jetzt einen Spaziergang im Wald machen, sondern diesen Anlass braucht eine Veranstaltung, um auch darauf aufmerksam zu
00:13:16: machen.
00:13:19: Oh edelstes Grün, das seine Wurzeln in der Sonne hat und das in heiterem hellem Glanz im Kreis leuchtet.
00:13:28: Von keiner irdischen Intelligenz zu begreifen.
00:13:32: Du bist umfangen von der großen Umarmung der göttlichen Geheimnisse.
00:13:38: Wie die Morgenröte strahlst du und glüßt wie das Feuer der Sonne.
00:14:01: Ich denke nicht, dass man jeden Tag, dass ich jeden Tag zur Arbeit gehe und denke, das ist ein Teil der Schöpfung.
00:14:06: Das wäre mir dann doch ein Stück weit zu theologisch.
00:14:09: Ich denke, dass es wichtig ist, das zu vermitteln, beziehungsweise die Menschen zu vermitteln, was da alles dran hängt.
00:14:17: Also, ich... bin dann doch eher auf der naturwissenschaftlichen Seite wahrscheinlich das Ganze.
00:14:22: Aber es ist natürlich schön, dass in so einem theologisch eingebitterten Hintergrund zu haben.
00:14:27: Viele Schriftstücke gibt es über den Wald ja auch Theologen geschrieben haben, die natürlich ganz anders durch den Wald gehen mit einem ganz anderen Blick als ich.
00:14:33: Im Gebäck hat offenkundig einen maßgeschneiderten Beruf ihre Berufung gefunden, was sich in ihren Worten und ihrem Handeln zu erkennen gibt und inspirierende ortsbedingte Herausforderungen birgt.
00:14:47: Also grundsätzlich an dem Beruf Kloster, Försterin vielleicht zu sein, eben, dass man nicht so viel wie sonst mit anderen Förstern oder eben mit Städten oder Gemeinden arbeitet, sondern mit Theologen.
00:15:05: Die denken ganz anders.
00:15:07: Das ist irgendwo eine Hausfrauen, die ist aber auch spannend und schön, weil da ganz andere Gedenkanstöße kommen.
00:15:12: Es macht mir viel Spaß.
00:15:14: Wir sind hier in Ausbildungsklostern.
00:15:15: Das heißt, alle, die Theologie studiert haben und dann eben Pastor und Passoren werden wollen, die kommen hierher.
00:15:22: Die nennen sich dann Wekhare und mit denen mache ich auch Führungen weit.
00:15:26: Da kommen ganz tolle Gespräche zustande und Diskussionen über Dinge oder kirchliches Leben und den Grundbesitz von Kirche, den man eben... sonst begegnet man diesen Diskussion oder diesen Themen gar nicht so in der Form, wie ich jetzt bei meiner Arbeit.
00:15:41: Ich glaube, dass Religion dann wieder eine Chance hat, wenn
00:15:46: man
00:15:46: das Angebot unbedingt
00:15:48: öffnet
00:15:49: und die Menschen dort abholt, wo sie vielleicht im Moment sind, mit ihren Bedürfnissen, mit ihren Bedürfnissen auch nach Orientierung.
00:15:56: Das muss gar keine vordergründig religiöse Orientierung sein.
00:16:00: Melanie Krilleke beschäftigt sich mit der inhaltlichen Ausgestaltung und touristischen Angeboten für den Harzer Klosterwanderweg.
00:16:08: Wandern mit Leib und Seele, Kraftorte zum Auftanken, lauten Titel auf Prospekten und Wanderführern.
00:16:15: Und das ist der Kulturpädagogin, Kulturmanagerin für Klosterkultur und Stadterlebnisse im Harz ein bemerkenswert persönliches Anliegen.
00:16:24: Es geht einfach darum, sich für sich selbst auf den Weg zu machen.
00:16:28: Ich bin eigentlich davon überzeugt, dass jeder Mensch einen spirituellen Kern hat.
00:16:32: Das muss kein religiöser Kern sein, aber man ist doch empfänglich für Verstimmungen und man hat schon eine Ahnung davon, dass es ein Nachmeer und Vormeer gibt.
00:16:43: Und dass etwas hinter der Wirklichkeit ist, die man alltäglich so wahrnimmt.
00:16:48: Und das ist auch gut so, denn würde man ständig nur mit diesem Lärm... der Welt zu tun
00:16:54: haben
00:16:54: würde man vielleicht verzweifeln.
00:17:14: Seit Jahrhunderten spielt die Natur bei der Sinnsuche vielgestaltige Rollen.
00:17:18: Mal ist sie Kulisse auf dem Weg zu einem Ziel oder sie ist das Ziel.
00:17:24: Bei dem heutzutage schier unüberschaubaren Angebot an Reisen in alle Winkel der Welt ist es nicht leicht, genau zu benennen, was man sucht.
00:17:32: Auf der Grundlage von wissenschaftlichen Studien über das Zusammenwirken von Religion, Kultur und Tourismus könne das Bedürfnis, mehr zu finden als Hochglanzangebote versprechen, eine Chance sein, Religion neue Aufmerksamkeit zu widmen, bekräftigt Prof.
00:17:50: Christian Chebul.
00:17:52: also daran glaube ich fest, weil Wir in vielen Urlaubsaktivitäten der Kirchen, sei es Tourismusseelsorge auf der Insel Rügen oder an der Nordsee oder Berggottesdienste in Bayern und in Tirol und in Salzburg, oder eben das über den gesamten deutschsprachigen Raum verteilte Netzwerk-Kirchenführungen an allen Orten, wo es größere Kirchen gibt, ist heute ein Angebot für Kirchenführung vorhanden.
00:18:26: Und da erleben wir etwas, was ich gerne als Bildungsgegenstand verteidige, weil wir bei Tourismus pastoral und Tourismus seelsorge immer gleich gerne an tiefgehende religiöse Gespräche denken, die natürlich sich entwickeln können.
00:18:47: Aber ich glaube,
00:18:48: die
00:18:49: die Räume und Kirchenräume und Sakralräume entfalten im ersten Schritt ein Bildungspotenzial, das mit Fragen nach Architektur, nach Farben, nach Formen, nach kirchengeschichtlichen Einordnungen zu tun hat.
00:19:09: und dann kommen erstmal die ganzen Fragen nach Religion und Geschichte und Gesellschaft auf und dann ergeben sich häufig aus Religion als Bildungsgegenstand auch Fragen nach Biografie erstens und nach Identität zweitens.
00:19:25: Eine vorzügliche Zeit, um Menschen in die Natur zu locken, die durch Weht ist von geistlichem Gedankengut.
00:19:32: Damit verknüpfte touristische Wünsche sind der Klosterförsterin im Gebäck in Lokum, Vertraut.
00:19:39: Die gibt's und das ist ja auch gewollt.
00:19:40: Ich find das ja auch schön, wenn die Menschen das sehen und genießen.
00:19:43: und da achte ich schon drauf, dass man einige Punkte eben so behält oder auch noch schöner gestaltet.
00:19:56: Natürlicher
00:19:57: Gestalten.
00:19:57: Bei mir geht's nicht darum, den Wald zu mobilisieren oder Schilder aufzustellen oder Bänke, sondern eher das Gegenteil, dass man das natürliche sieht und den Blick irgendwie fürs natürliche Gewinn und frei macht.
00:20:07: dass man beispielsweise einen alten, abgestorbenen Baum, den ich vielleicht aus Verkehrssicherungsgründen tatsächlich runternehmen muss, aber dass ich den dann liegen lasse, dass er da verrotten darf und die Leute da nochmal fühlen können, das muss sehen, was drauf wächst und einfach das erleben können.
00:20:24: oder sich vielleicht auch auf einen einfach liegenden Baumstamm draufsetzen können, ohne dass es jetzt eine Parkähnliche Bank ist.
00:20:30: Das ist für mich so das richtige Natur erleben.
00:20:33: Es ist weniger der geschotterte Weg und die Grüne Bank, die rechts oder links steht, sondern eher wirklich die Natur.
00:20:39: Also im Wald und den gigantischen Bäumen, die wir da erleben können, dass da Naturkunst und menschliche Baukunst ganz eng beieinander liegen, das ist glaube ich, ein tiefes Wissen, das die mittelalterliche Architektur hatte.
00:20:57: Und wenn ich mit diesem Wissen heute in ein Wald gehe und das Spiel umdrehe und sage, ich kann auch eine neue Wertschöpfung vor der Natur wieder gewinnen, weil ich mich mit Architektur auskenne, dann ist es doch ein wunderbarer Effekt, der vielleicht zu noch mehr Nachhaltigkeit und zu einer Verneigung vor der Natur als Schöpfung Gottes wird.
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